Plissee – Transmission, Absorption, Reflexion

Neben dem Schutz vor fremdem Einblick ist vor allem der Schutz vor Licht entscheidend für die Funktionalität von Vorhängen. Das Plissee als funktionales Konzept stellt sich diesen Ansprüchen auf dieselbe Weise wie in allen anderen Bereichen: mit unvergleichlicher Vielfalt. Ausdruck dieser Flexibilität sind drei Begriffe, die immer wieder auftauchen und die Lichteigenschaften eines jeden Plissees und Vorhangs bestimmen: Transmission, Absorption und Reflexion. Diese Begriffe werden meist in der Produktbeschreibung aufgeführt und bieten dem Kunden die Gelegenheit, sich gezielt seine Ansprüche beim Kauf eines Plissees bewusst zu machen. Die damit verbundenen Stoffeigenschaften können – je nach Variante – in das gewünschte Mischverhältnis gebracht werden und sind anteilig zu verstehen, das heißt: die Summe ihrer Werte ergibt immer 100 Prozent. Hier nun die Erläuterung der 3 Begriffe.

2.1.) Was bedeutet beim Plissee Transmission?

Vereinfacht ausgedrückt meint Transmission nichts Anderes als den Grad der Lichtdurchlässigkeit. Diese hängt von vielen Faktoren ab und nicht nur vom Stoff an sich. Doch Eines nach dem Anderen: Der Stoff eines geschlossenen Vorhangs lässt ein bestimmtes Maß an Licht hindurch in den Raum. Lässt er gar kein Licht hinein, beträgt die Transmission also 0 %, dann spricht man von Verdunkelung, und Plissees aus einem solchen Stoff werden Verdunkelungs-, manchmal auch Black Out-Plissees genannt. In diesem Spezialfall der Null-Transmission zeigt sich am deutlichsten, dass die Lichtdurchlässigkeit nicht nur vom Stoff abhängt, sondern auch von anderen Faktoren. Denn der lichtundurchlässigste Stoff kann immer nur zur vollen Wirkung kommen, wenn er auch lückenlos zwischen Innen- und Außenbereich angebracht wird, also die komplette Fensterfläche abdeckt. Das ist oft einfacher gesagt als umgesetzt. Selbst beim Plissee gibt es hier ein paar wichtige Details zu beachten.

So ergeben die Löcher für die Zugschnur im Stoff eines gewöhnlichen Plissees – mit Ausnahme der Wabenplissees – kleine Lichtpunkte in einer ansonsten verdunkelten Umgebung. Die verbleibende „Helligkeit“ im Raum wird dadurch zwar nicht stark gesteigert, aber die kleinen Punkte ergeben in dem dunklen Umfeld dennoch ein deutlich wahrnehmbares Muster. Ein zweiter wichtiger Punkt sind die seitlichen Abschlüsse, also die Lücken/Spalten zwischen Stoff und Fensterrahmen bzw. -nische. Diese Abschlüsse hängen stark von der Art der Montage ab. So ergeben verspannte Plissees in der Glasleiste nicht nur die bestmögliche Integration am Fenster, sondern auch eine hervorragende Abdeckung. Die Faustregel für andere Montagearten lautet daher, dass das Plissee, wenn möglich, über die Ränder der Glasfläche ein kleines Stück weit hinausragen sollte, um Lichtspalte zu vermeiden. Ist ein Plissee transparent, so fallen die erwähnten Eigenschaften dagegen kaum ins Gewicht.

Die Art der Anbringung am Fenster und die Schnurführungslöcher im Stoff betreffen auch andere Transmissionsstufen, angefangen beim Dim Out Plissee, welches den größten Teil des Lichts draußen hält, aber den Raum nicht in absolute Dunkelheit versetzt. Diese Transmissionsstufe eignet sich zum Beispiel sehr gut für Schlaf- oder Gästezimmer. Darauf folgen in der Helligkeitsskala lichtdurchlässige Plissees, manchmal auch halbtransparente Plissees genannt. Sie schützen effektiv vor fremden Blicken, ermöglichen darüber hinaus aber eine ausreichende Helligkeit, sodass fast jede Tätigkeit im Raum ohne künstliches Licht durchgeführt werden kann. Das einfallende Tageslicht erhält darüber hinaus genau diejenige Qualität, die Sie in der Farbe des Stoffes festgelegt haben. Ist das Plissee lichtdurchlässig, dann ermöglicht es also aktives Lichtdesign. Ist das Plissee transparent, dann fällt das Tageslicht nahezu ungefiltert in den Raum. Als höchste Transmissionsstufe von annähernd 100 % sind die durchsichtigen Plissees zu nennen. Sie lassen das meiste Licht hindurch und dienen hauptsächlich dekorativen Zwecken.

Die Abwesenheit oder die Einschränkung von Licht im Innenraum können auf zwei weitere Weisen erreicht werden. Welche das sind und was sie bedeuten, auch im Hinblick auf weitere Funktionen eines Plissees, erfahren Sie in den nächsten beiden Abschnitten.

2.2.) Ist ein hoher Absorptionswert beim Plissee gut?

Um die Vorteile hoher Absorption zu erläutern, sei hier zunächst geklärt, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Die praktische Bedeutung ist, dass ein Teil des auftreffenden Lichts nicht durch den Stoff gelassen, sondern von ihm aufgenommen, sozusagen „geschluckt“, wird. Die Lichtenergie wird vom Stoff „absorbiert“, was nichts anders heißt, dass sie durch und auf dem Stoff in eine andere Energieform, nämlich Wärme, umgewandelt wird. Die Absorption erfolgt graduell, d.h. je nach Anlage des Stoffes kann ein Teil des Lichts absorbiert und ein Teil durchgelassen werden.

Die Umwandlung von Licht in Wärme kann in vielen Situationen erwünscht sein. So sind Küchen oft aktive Orte, die zudem nach außen hin weit offenstehen. Küchenfenster auf Kopfhöhe vom Bürgersteig sind keine Seltenheit. Hier ist also ein Bedürfnis nach Sichtschutz gegeben. Gleichzeitig soll die Küche nicht ständig im Dunklen liegen, weshalb die Transmissionsstufe halbtransparent eine gute Wahl ist. Küchen im Erdgeschoss haben zudem den Nachteil, von keinem der unter ihnen liegenden Räume mit geheizt zu werden, und auch direkte Sonne von oben ist nicht zu erwarten, anders als etwa in Dachgeschossen. Die Wärmeentwicklung am Stoff wird durch Sonnenenergie unterstützt, zumal im Winter. In das Raumklima und auch atmosphärisch passt sich halb transparenter Stoff hier daher gut ein. Mit Abstrichen lässt sich dies alles aber auch auf Räume mit anderer Funktion übertragen. Absorption hält die Energie also im Raum. Aber nicht jeder Raum weist einen Mangel an Wärmeenergie auf. Ganz im Gegenteil...

2.3.) Welche Bedeutung hat die Plissee Reflexion für den Wärmeschutz?

Die „Reflexion“ bewirkt im Hinblick auf die Helligkeit im Raum genau dasselbe wie die „Absorption“, für die Wärmeentwicklung aber genau das Gegenteil. Je höher der Grad der Reflexion, desto größer ist auch der Anteil des auftreffenden Lichts, der nicht in Wärmeenergie umgewandelt, sondern direkt wieder in die Umgebung abgestrahlt wird. Helligkeit und Wärme werden im selben Maße verringert, wie das Licht reflektiert wird. Diesen Effekt setzt man beim Plissee gezielt zum Hitze- und Sonnenschutz ein. Vor allem Plissees für Dachfenster und Fenster, die in Richtung Süden liegen, profitieren von hohen Reflexionswerten.

Die Reflexion wird dabei auf verschiedene Weisen ermöglicht. Generell gilt, dass eine helle Außenseite besser reflektiert als eine dunkle. Weiße Außenseiten reflektieren bereits so gut, dass sie sich gut als Wärmeschutz eignen. Zudem ermöglicht Weiß auch eine anteilige Lichtdurchlässigkeit, die ja weiterhin erwünscht sein kann. Glänzende Außenseiten reflektieren noch besser als rein weiße Oberflächen. Sie reflektieren bereits den größten Teil des auftreffenden Lichts. Die Kombination von beidem, also hell und glänzend, genügt bereits für einen umfassenden Wärmeschutz.

Die besten Reflexionswerte erzielen Oberflächen, die hochglänzend und beinahe spiegelnd sind. Von „Farbe“ kann bei einer solchen Außenseite kaum noch die Rede sein. Die Eigenschaft Wärmeschutz wird hier funktional voll ausgeschöpft (wenn auch noch nicht im Bereich äußerer Stauwärme, Stichwort: Wabenplissee). Wärmeschutz Plissees werden gerne auch zur Verdunkelung eingesetzt. Da Schlafzimmer sowohl licht-, als auch wärmeempfindliche Wohnräume sind, besteht hier ein funktionaler Zusammenhang. Aber selbst wenn die Tätigkeit im Raum nicht aufs Ausruhen und Schlafen beschränkt bleiben soll, sind hohe Werte bei der Reflexion oft sehr nützlich. Temperaturkritische Dachböden wurden hier schon erwähnt, aber auch Hobby- oder Filmräume sowie Speisekammern profitieren ungemein.

2.4) Welches Mischverhältnis beim Licht ist für erwünschte Funktionen richtig?

Transmission, Absorption und Reflexion sind die Grundeigenschaften der Gestaltung von Lichtverhältnissen und des Raumklimas. In der Einleitung und auch im Abschnitt zu „Welche Bedeutung hat die Plissee Reflexion für den Wärmeschutz?“ wurde bereits erwähnt, dass alle drei Eigenschaften – Transmission, Absorption und Reflexion – meist gleichzeitig in einem Plissee vorhanden sind. Ab einem gewissen Punkt schließen sich jedoch Transmission, Absorption und Reflexion gegenseitig aus, so z. B. bei transparentem Stoff. Viele Produktbeschreibungen geben daher Prozentwerte an, welche die Gewichtung der Eigenschaften innerhalb des Plissees deutlich machen. Aber welches Mischverhältnis ist das individuell richtige für den jeweiligen Raum in seiner Funktion?

Da bei der Helligkeit die Trennlinie zwischen „ausreichend“ oder „unzureichend“ am deutlichsten ist, sollte zu allererst die Lichtdurchlässigkeit bedacht werden. Dinge im Raum zu erkennen, um wenigstens von A nach B (z. B. auf Toilette) zu kommen, schafft ein Dim Out Plissee. Gleichzeitig sind die abdunkelnden Eigenschaften hier immer noch ausreichend für umfassende Ruhezeiten. Ist ein Plissee lichtdurchlässig (halbtransparent) ermöglicht es hingegen uneingeschränktes Arbeiten im Raum oder gar farbliches Lichtdesign. Wurde die Funktion des Wohnraums bei der Wahl der Lichtdurchlässigkeit berücksichtigt, stellt sich mit „Absorption“ und „Reflexion“ die Frage nach dem gewünschten Raumklima.

Wärmekritische Räume profitieren eher von hohen Werten bei der Reflexion, wobei „hohe Werte“ wiederum von der Art der Raumnutzung abhängt wie auch vom individuellen Empfinden. Ein Schlafzimmer ist anfälliger für Extremwerte als ein Bad, allein durch die Unterschiede bei der Aufenthaltsdauer, und was mancher als warm empfindet, lässt einen anderen frösteln. Trotzdem lässt sich hier bereits eine leichte Tendenz erkennen. Lange Aufenthalte sollen nicht anstrengend wirken. Wenn die Küche auf der Nordseite im Erdgeschoss sich ständig klamm anfühlt und dunkel wirkt, wären hohe Reflexionswerte nicht das Richtige. Das Schlafgemach unterm Dach hingegen kann ein Wärmeschutz Plissee mit Verdunkelung hingegen gut gebrauchen.

Typische Fälle für ein ausgewogenes Verhältnis stellen oft der Flur oder das Wohnzimmer dar. Um in solchen Fällen eine ausreichende Transmission und Absorption zu erhalten, wird die Reflexion meist nicht mit einer glänzenden Außenseite realisiert, sondern mit sehr hellen Farben oder gar gleich mit Reinweiß.